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Welche gefährlichen Krankheiten die eingewanderten Arten übertragen, wie man Stiche behandelt und vermeidet, was die Wissenschaft unternimmt und wie jeder eine Verbreitung verlangsamen kann - ein Überblick.
Bzzzzzzzz. Autsch! Klatsch! Hab ich Dich Quälgeist! Aha, eine normale Stechmücke. Keine auffällige schwarz-weiße Musterung, also zum Glück keine Asiatische Tigermücke und auch keine Asiatische Buschmücke, die mittlerweile in vielen Teilen Europas und auch in Deutschland nachgewiesen wurden.
Weltweit gibt es über 3.500 Stechmückenarten, wovon etwa 50 auch in Deutschland beheimatet sind. Alle sind nervig, aber nicht alle sind so gefährlich wie diese drei eingewanderten Arten: die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus, auch Japanischer Buschmoskito genannt) und die Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus).
Denn diese invasiven Stechmückenarten können mehr als 20 Virusarten übertragen. Dazu gehört das Denguefieber, Chikungunyafieber, Gelbfieber, West-Nil-Fieber sowie das Enzephalitis- und das Zikavirus.
Die Symptome ähneln oftmals zunächst einem grippalen Infekt mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schlappheit.
Die drei Mückenarten sind leicht zu verwechseln: Bei der schwarzen Asiatischen Tigermücke fallen vor allem die weiß gestreiften Hinterbeine auf und der weiße Strich auf dem Körper und zwischen den Augen. Die anderen beiden sind eher dunkel- bis schwarzbraun gefärbt und haben auffällige helle Querstreifen am Körper und an den Beinen.
Die Asiatische Buschmücke ist leicht mit der Asiatischen Tigermücke zu verwechseln
Durch den weltweiten Warentransport und Reiseverkehr wurden diese ursprünglich aus Südostasien stammenden Mückenarten in den letzten Jahrzehnten als Neozoon regional in Nord- und Südamerika, in Afrika, im Nahen Osten und in Europa eingeschleppt.
Die Asiatische Tigermücke sticht vor allem tagsüber zu, bevorzugt in den Morgen- und Abendstunden im Freien. Wie bei anderen Stechmücken auch saugen ausschließlich die Tigermücken-Weibchen Blut, denn um sich fortpflanzen zu können, benötigen sie Proteine, die sie durch das Blut bekommen - egal, oben es nun tierisches (von Säugetieren oder Vögel) oder menschliches Blut ist. Ansonsten decken sie ihren Energiebedarf wie die männlichen Mücken durch Nektar und Pflanzensäfte.
Grundsätzlich sind die Stiche der Tiger- und Buschmücke nicht schmerzhafter oder schlimmer als die heimischer Stechmücken. Es kommt zu einer Rötung, die Haut juckt und an der Einstichstelle bildet sich eine Schwellung.
Auch wenn es schwerfällt: Stiche bitte nicht aufkratzen!
Diese Hautreaktionen werden durch das Speichelsekret ausgelöst, das die Mücke injiziert. Es soll die Blutgerinnung stoppen. Auf die Proteine im Speichel reagiert der Körper allergisch und schüttet das Hormon Histamin aus.
Auch wenn einen Mückenstiche wahnsinnig machen können, sollten Sie nicht an der Einstichstelle herumkratzen. Dadurch verteilen Sie die Gerinnungshemmer aus dem Speichel nur noch weiter und es juckt noch mehr. Außerdem können Krankheitserreger in die Haut eindringen. Wenn die Stelle bereits aufgekratzt ist, kleben Sie ein Pflaster drüber. Dann kommen keine Bakterien hinein und Sie kratzen nicht weiter.
Als Erstversorgung helfen kaltes Wasser oder zur Not auch der eigene Speichel, um den Juckreiz und die Schwellung zu lindern. Anschließend kühlen Sie die Einstichstelle, mit Eiswürfeln oder Kühlpads, mit Salben oder Cremes oder mit einem der vielen bewährten Hausmittel wie einer halbierten Zwiebel oder Kartoffel, einer Zitronenscheibe, Essig oder Quark. Was eben verfügbar ist, um die Einstichstelle zu kühlen und so zu beruhigen.
Ja was denn nun? In der Tat klingt diese Empfehlung wie ein Widerspruch - ist es aber nicht. Wer die Einstichstelle für wenige Sekunden auf über 51 Grad Celsius erhitzt, kann damit möglicherweise Bestandteile des Speichels der Mücke zersetzen und auch das körpereigene Histamin. Das kann die Schwellung bremsen und die Heilung beschleunigen. Dafür gibt es in Apotheken oder Drogerien batteriebetriebene Geräte, die für drei bis sechs Sekunden die nötige Temperatur auf einer kleinen Keramikoberfläche erzeugen. Je früher das Gerät zum Einsatz kommt, desto größer die Erfolgsaussichten.
Nicht kratzen und kühlen hilft bei allen Mückenstichen. Nach zwei bis drei Tagen sollten sie abgeschwollen sein. Sollte der Mückenstich aber sehr groß werden und sich heiß anfühlen, kann dies auf eine ernstere allergische Reaktion oder eine Infektion hindeuten. Möglicherweise sind durch das Kratzen Krankheitserreger in die Stichwunde gekommen. Oder die Mücke hat irgendwelche Bakterien oder Viren übertragen. Das kann gerade bei der Asiatischen Tiger- und Buschmücke sehr gefährlich werden. Wenn die Beschwerden also andauern und womöglich noch andere Symptome wie Fieber auftreten, sollten Sie zum Arzt gehen.
Ernährung und Paarungsverhalten der Tigermücken hängen besonders stark vom Geruchssinn ab. Vor allem im Freien locken Körpergeruch, Atem, Schweiß und Parfüm Mücken an. Eine kühle Haut durch kalte Duschen und der Verzicht auf stark duftende Duschgels, Parfüms sowie Kosmetika kann also Stiche verhindern.
Das individuellen Duftprofil entscheidet, wen Mücken bevorzugt stechen
Den Geruchssinn der Mücken blockiert auch der in den meisten Insektensprays enthaltene Stoff Diethyltoluamid. Für die Mücken ist die Person durch das Insektenspray schlecht wahrnehmbar und entsprechend wird sie auch seltener gestochen.
Lange Kleidung hilft natürlich auch, vor allem wenn sie hell ist. Denn die Mücken meiden helle Stoffe, weil sie sich auf bunten oder dunklen Stoffen besser verstecken können.
Mücken sind generell sehr wählerisch - manche Menschen werden sehr häufig gestochen, andere bleiben verschont. Das liegt zum einem am individuellen Duftprofil, das sich von Mensch zu Mensch unterscheidet.
Zusammengesetzt wird es jeweils aus unterschiedlich riechenden Stoffwechselprodukten wie Milchsäure, Fettsäure, Ammoniak oder Kohlenstoffdioxid, die über die Atemluft und den Schweiß abgegeben werden. Auf die Mücken wirken sie unterschiedlich anziehend.
Schwangere und korpulente Menschen werden häufiger gestochen
2015 kam übrigens ein Forscherteam der London School of Hygiene and Tropical Medicine zu dem Schluss, dass Schwangere und korpulente Menschen mit höherer Körpertemperatur häufiger gestochen werden.
Unklar ist weiterhin, ob auch die Blutgruppe entscheidend ist: Bei Tests haben Japanische Forscher zwar 2004 festgestellt, dass Menschen mit Blutgruppe 0 doppelt so häufig gestochen wurden wie Menschen mit der Blutgruppe A. Aber wirklich aussagekräftig war die Studie nicht, weil daran nur 64 Menschen teilgenommen hatten.
Männliche Asiatische Tigermücken leben nur etwa 10 Tage, Weibchen etwa 6 Wochen. In dieser Zeit produziert das Weibchen durchschnittlich mehr als 300 Eier.
2016 nahm die Expertenkommission "Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern"ihre Arbeit auf. Sie soll Handlungsempfehlungen zur Überwachung und Bekämpfung von Stechmücken als Vektoren von Infektionserregern erarbeiten.
Die Weibchen werden zwar schwanger, bekommen aber keine lebensfähigen Nachkommen.
Forschende testen auch in Deutschland unter anderem den Einsatz sterilisierter Männchen. Mit einem feinen Sieb werden die etwas kleineren Puppen der Männchen ausgesiebt und anschließend mit Gammastrahlen sterilisiert.
Wenn sich die Weibchen mit solch einem Männchen paaren, werden sie zwar schwanger, sie bekommen aber keine lebensfähigen Nachkommen. Im Sommer 2016 wurden die ersten sterilisierten Männchen in Deutschland ausgesetzt, die Schlüpfrate sei so um 15 Prozent gesunken.
Nicht nur gefühlt gibt es in diesem Sommer - auch in Deutschland - mehr Mücken als in den vergangenen Jahren. Nach zwei trockenen Sommern in Folge mit deutlich weniger Mücken sei der Wechsel von Feuchte und Wärme in diesem Jahr sehr mückenfreundlich, sagt Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg bei Berlin. "Die Belästigung ist regional aber sehr unterschiedlich", so die Biologin.
Wo starke Niederschläge die Pegelstände von Gewässern steigen ließen, etwa an der Oder, am Starnberger See und am Ammersee in Bayern, gebe es eine richtige Mückenplage. Die warmen Temperaturen verkürzten zudem ihre Entwicklungszeit, so Werner.
Mücken lieben es warm und feucht – deshalb bieten ihnen natürliche Gewässer und Wasserstellen in den heimischen Gärten ideale Bedingungen für den Mückennachwuchs.
Alte Autoreifen sind ein bevorzugtes Brutbiotop auch der invasiven Stechmücken
Wie bei allen Mücken legt auch das das Tigermücken-Weibchen ihre mehr als 300 Eier bevorzugt knapp oberhalb der Wasserspiegels in kleinen Wasserlöchern ab. Das können kleine Tümpel oder Gartenteiche sein, oder Astlöcher, verstopfte Regenrinnen, Gullis, Regentonnen, Pflanzenuntersetzer und vor allem alte Autoreifen.
Dort können die Tigermücken-Eier monatelang auch Trockenheits- und Kälteperioden überdauern. Steigt der Wasserspiegel irgendwann zum Beispiel durch Regen, löst dies das Schlüpfen der Mückenlarven aus.
Wenn Sie also stille, flache Wasseransammlungen im eigenen Garten verhindern, Regenrinnen oder Regentonnen, Vogelbäder oder Pflanzenuntersetzer regelmäßig leeren, dann bieten Sie der Tigermücke und anderen Stechmücken kein Eiablagebiotop.
Außerdem wehren auch einige Pflanzen Mücken ganz natürlich ab, weil Mücken deren Geruch nicht ertragen. Dazu zählen z.B. Tomatensträucher und Walnussbäume - eine erfreulich umweltverträgliche Alternative zu Insektiziden.
Das sicher gefährlichste Tier Afrikas ist die etwa sechs Millimeter kleine Anopheles-Mücke: Sie überträgt Malaria. An dieser Infektionskrankheit sterben jährlich rund eine halbe Million Menschen. Malariaerkrankte leiden an hohem wiederkehrendem Fieber, Schüttelfrost und Krämpfen. Vor allem bei kleinen Kindern kann die Krankheit schnell zum Tode führen.
Sticht die Anopheles-Mücke einen infizierten Menschen, nimmt sie den Malariaerreger auf; beim nächsten Stich gibt sie ihn an einen anderen Menschen weiter. Forscher haben die Erreger hier im Bild mit einem grün leuchtenden Eiweiß markiert. Wie das grüne Leuchten verrät, vermehren sich die Parasiten im Darm der Mücke und sammeln sich schließlich in ihren Speicheldrüsen.
Der biologische Name des Malarierregers lautet Plasmodium. Um ihn zu untersuchen, entfernen Forscher infizierten Anopheles-Mücken die Speicheldrüsen und isolieren daraus den Parasiten. Denn im Speichel der Mücke reichert sich die infektiöse Form des Parasiten an - Experten nennen diese Form Sporozoiten. Rechts im Bild ist die Mücke zu sehen, in der Mitte deren entnommene Speicheldrüsen.
Tatsächlich ist der Mensch nur der Zwischenwirt des Malariaparasiten, Endwirt ist die Mücke. In uns vermehrt sich der Erreger ungeschlechtlich: erst in der Leber, dann in den roten Blutkörperchen. Ein Teil der Parasiten bildet schließlich weibliche und männliche Zellen. Diese werden von einer Mücke aufgenommen und pflanzen sich in ihr geschlechtlich fort. Der Kreis schließt sich.
Da die Malariasporozoiten gekrümmt sind, bewegen sie sich im Kreis, wenn Forscher sie wie hier auf ein Stück Glas mit Flüssigkeit aufbringen. Die Parasiten sind gelb eingefärbt, ihre Bewegungsbahn ist blau. Die Erreger sind schnell: Für einen Kreis benötigen sie nur etwa 30 Sekunden. In ihren Wirten werden sie durch Hindernisse von der Kreisbahn abgelenkt und laufen dann auch geradeaus.
Im Mensch nistet sich der Malariaerreger zunächst für einige Tage in der Leber ein. Währenddessen merkt der Betroffene nichts. Erst wenn der Parasit sich in der Leber zu kleinen traubenförmigen Merozoiten umgewandelt hat, die das Organ verlassen und die Blutkörperchen befallen, fühlt sich der Patient krank.
Die Parasiten brauchen ein bis drei Tage, um sich in den roten Blutkörperchen zu vermehren. Dann zerfallen die Blutzellen und setzen viele reife Malariaerreger und giftige Substanzen aus dem Stoffwechsel der Parasiten frei. Die Folge: Fieberschübe. Unter dem Mikroskop ist die Krankheit nach Anfärbung leicht zu diagnostizieren: Die lila gefärbten Erreger fallen im Blutabstrich sofort auf.
Malaria ist eine typische Tropenkrankheit: Sie tritt dort auf, wo es heiß und feucht ist. Einige Wissenschaftler hatten befürchtet, dass sich die Malaria aufgrund des Klimawandels ausbreiten werde. Neuere Studien kommen zu einem anderen Ergebnis: Tatsächlich nehme ihr Verbreitungsgebiet kontinuierlich ab, da immer mehr Sümpfe trockengelegt würden.
Das beste Mittel gegen Malaria ist, gar nicht erst von einer Mücke gestochen zu werden. Dabei helfen Repellents - Mückenabwehrmittel zum Eincremen - und natürlich Moskitonetze, deren feine Maschen die Mücken fernhalten. Unter einem Moskitonetz zu schlafen, kann Leben retten!
Forscher haben ein Moskitonetz entwickelt, das besonders schützen soll: In die Fasern der Netze ist ein Insektizid eingewebt, welches kontinuierlich frei wird. Der Wirkstoff tötet alle Mücken, die sich auf dem Moskitonetz niederlassen.
Nimmt die Malariagefahr überhand, greifen Betroffene oft zu harten Mitteln und versprühen massenweise Insektengift, so wie hier im indischen Mumbai. Ein solches Insektizid ist die Substanz DDT - wirkungsvoll gegen Mücken, aber als Teil des "dreckigen Dutzends" schlecht für Gesundheit und Umwelt: Es ist sehr langlebig und reichert sich in der Nahrungskette an.
Malaria-Schnelltests weisen innerhalb von Minuten Malariaerreger in einem Tropfen Blut nach. Hier untersuchen die "Ärzte ohne Grenzen" einen Jungen im afrikanischen Mali. Sein Test ist positiv. Der Junge bekommt Medikamente und ist zwei Tage später wieder gesund. Solche Schnelltests funktionieren allerdings nicht immer zuverlässig.
Medikamente zerstören den Parasiten im Blut oder verhindern, dass er sich weiter vermehren kann. Allerdings werden die Erreger mit der Zeit resistent gegen den Wirkstoff - einige Medikamente wie Chloroquin wirken in vielen Gegenden schon nicht mehr. Auch Medikamentenfälschungen mit zu wenig Wirkstoff fördern Resistenzen. Einziger Ausweg: neue Arzneien zu entwickeln.
Auch mit einem neuen Impfstoff heißt es demnach weiterhin: Sich vor Mückenstichen zu schützen ist das A und O.
Kein anderes Virus wird weltweit so oft durch Stechmücken übertragen. Meist nimmt die Erkrankung einen milden Verlauf. Doch auf den Philippinen sterben immer mehr Betroffene.
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